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Mallorca, die ersten zwei Wochen – zweiter Teil

Zuerst einmal liefere ich die versprochenen Sonnenbilder von Port Pollenca. Nach 2 Tagen heftigen Regens wurden die letzten Wolken nach Osten geschoben, und die Abendsonne nahm Besitz vom Strand:

Das war unser, und ist immer noch mein Lieblingsblick auf die untergehende Sonne. Von der Terrasse des Restaurants Stay, die diesen Blick bietet, und wo es Christianes Lieblingswein gibt. Mortitx heißt der Wein, und die Trauben dafür wachsen fast in Sichtweite von Pollenca auf halber Höhe in den Tramuntana-Bergen.
Wann immer sich die Gelegenheit bot, haben wir dort ein Glas Wein oder Bier zum Sonnenuntergang genossen. Diese Tradition setze ich sehr gerne fort.

Jetzt aber zurück zum chronologischen Bericht. Über die großen Abenteuer mit Armin habe ich berichtet. Es gibt aber darüber hinaus immer noch Berichtenswertes. Zum Beispiel ein

Bummel durch Palma

Eigentlich war schlechtes Wetter angesagt. Kurz entschlossen fuhren wir deshalb zu dem von mir "Konsumtempel" genannten Mallorca Fashion Outlet Center. Ganz sicher nicht einer meiner Lieblingsorte. Shopping ist mir ein Greuel. Ich konnte das Outlet-Center in der Vergangenheit nur deshalb ertragen, weil es ein reichhaltiges Angebot an Lokalen bietet, in denen man einen Kaffee, wenn es länger dauerte, auch ein Bierchen zu sich nehmen kann. Ein paar wenige Geocaches in der Umgebung sind schon seit langem in der Rubrik "gefunden" abgelegt.

Aber Armin benötigte ein paare neue Klamotten, und bei mir war eine neue Jeans auch willkommen. Eine halbe Stunde benötigten wir für unseren Einkauf, bevor wir uns eine Tasse Kaffee gönnten.

Wir besprachen die Möglichkeiten für die Gestaltung des Tages. Ich bin mit meinem Wohnungsnachbar Jürgen, von dem ich sicher noch erzählen werde, im vergangenen Jahr nach Palma gefahren. Er empfahl damals die beste Art, nach Palma zu fahren. Nämlich mit dem Auto bis zum Konsumtempel, dort kostenlos parken und dann zu Fuß zur nahen Bahnstation und für € 1,80 mit dem Zug zum Plaza Espana. Damit ist man ohne mühsame Suche nach einem teuren Parkplatz unmittelbar am Rand des Stadtzentrums.

Vergangenes Jahr mit Jürgen in der Markthalle Palma. In der muss man meiner Meinung nach gewesen sein, wenn man Palma besucht.

Armin gefiel dieser Vorschlag, und wir setzten ihn sofort in die Realität um. Mit meinem Computerexperten war das Lösen der Fahrkarten eine Sache von Sekunden. Ich hätte mindestens Minuten benötigt. Wir bestiegen den gut besetzten Zug, bekamen zunächst einen, dann durch energisches Eingreifen einer mir gegenübersitzenden Mutter, deren Tochter auf der anderen Seite des Ganges einen freien Platz blockierte, auch noch einen Sitzplatz für Armin.

Die Fahrt durch die Randgebiete von Palma war interessant, aber nicht schön. Am Plaza de Espana pulsierte das Stadtleben. Wir reihten uns ein.

Ohne große Begeisterung, aber mir zum Gefallen, willigte Armin ein, dass wir einen so genannten "Adventure-Lab" machen. Das heißt, wir müssen vorgegebene Orte finden und dort eine Frage beantworten, um dann zum nächsten Ort zu kommen. Meistens sind es 5 Fragen. Das sind nicht Armins Lieblingscaches. Ich habe sie in der letzten Zeit gerne gemacht, weil es sehr häufig Stadtspaziergänge sind, die Christiane und ich gemeinsam unternehmen konnten.

Mein Abenteuervorschlag hieß "La Ciudad Tenebre", was so viel heißt, wie "Die dunkle Stadt". Gezeigt wurden Orte, bei denen es eine historische Begebenheit im Zusammenhang mit Gewalt und Tod gab. Viel gesehen hat man davon nicht, aber die erzählten Geschichten waren recht interessant. Sie erzählten von Hinrichtungen und anderen grausigen Dingen, die ich nicht unbedingt wiederholen möchte.

Wichtig war, dass mein Geocaching-Weg auch Armins Interessen erfüllte, der einfach nur einen Stadtbummel wollte, und den bekam er auch.
Armin stellte fest, dass ich bei meiner Suche nach den von Geocaching vorgegebenen Orten kein Auge mehr für andere Schönheiten hatte. Aber ich hatte ja einen Begleiter, der mich - nicht ohne belehrende Hinweise (mit Augenzwinkern) - auf meine eingeschränkte Wahrnehmung hinwies.

Dies ist zum Beispiel ein Ort, den Armin entdeckte, und der mit Tod und Gewalt zunächst nichts zu tun hatte. Wir haben ihn beide, vor allem zeitlich, ausgiebig erkundet.
In unmittelbarer Nähe war die Hauptstraße abgesperrt. Wir vermuteten, entweder für einen Marathonlauf oder für ein Radrennen. Auf jeden Fall waren zahlreiche Beamtinnen und Beamte der Stadtpolizei dafür eingesetzt, die sich an diesem Ort für ihre kommenden Aufgaben stärkten. Rechts im Bild erkennt man einen davon. Irgendwie rutschte Armins Bestellung mit jeder Beamtin oder jedem Beamten die kamen und etwas bestellten, einen Platz weiter nach hinten.
Wer weiß, wenn Armin nicht so ein friedfertiger Mensch wäre, und wenn nicht so viel Polizisten anwesend gewesen wären, vielleicht wäre es doch noch zu einem Ort von Tod oder Gewalt geworden.

Auf jeden Fall kam Armins Essen wirklich just in dem Moment, als wir aufstehen und diesen gastlichen Platz verlassen wollten. Im Weitergehen verzehrte Armin den Burger. Begeistert davon war er nicht.

Palma ist eine sehr schöne Stadt, und ein Bummel durch die Innenstadt immer empfehlenswert. Auch dort, wo man sehr wenig Touristen begegnet.

Das Bild zeigt einen Ausschnitt vom Museum für zeitgenössische Kunst "El Baluard", das meiner Meinung nach wunderbar in eine alte Militäranlage zum Schutz des Hafens integriert wurde.

Zum Schluss doch noch einmal zu "Gewalt und Tod".

Die Figur zeigt Kapitän Barceló, einen bewunderten Anführer der spanischen Marine im 18. Jahrhundert. Von dem wird in manchen Chroniken berichtet, dass er seinen Gefangenen manchmal die Köpfe abgeschlagen ließ, wenn er nach einem Seeeinsatz nach Palma zurückkehrte. Die Hinrichtungen wurden angeblich hier an dieser Stelle durchgeführt.

Den Abend beschlossen wir auf einer Bank vor dem Stay mit einer kleinen Dose San Miguel und einem schönen Gespräch. Port Pollenca by night.

Finca Publica Galatzó

Das ist schon ein wenig Tradition, dass Gisella und Gottfried zusammen mit Bekannten, die auf Mallorca leben oder überwintern, um diese Jahreszeit eine Wanderung von Capdella zur Finca Publica Galatzó, im Südwesten der Insel, unternehmen. Wir waren in den vergangenen Jahren schon mehrfach mit dabei, und es hat uns gut gefallen. Der Weg ist wunderschön, und am Ziel sind Tische und Bänke für ein zünftiges Picknick bereit gestellt. Die Wanderer bringen kulinarische Schätze mit, und teilen sie miteinander.

Cala Boquér, früher Schweinebucht

Nördlich von Port Pollenca liegt die Cala Boquér. Als wir in den 1970'iger Jahren unsere ersten Urlaube in - damals noch - Puerto Pollenca verbrachten, wurde die Bucht allgemein noch "Schweinebucht" genannt. Und tatsächlich liefen damals noch Schweine frei herum.

So zeigt die Geocaching-APP die Lage eines Geocaches. Irgendwann erkläre ich, was die einzelnen Symbole bedeuten. Ein wenig eitel vorab die gelben Smileys, das sind nämlich alles Caches, die wir/ich gefunden habe(n). Die ohne Smiley sind für mich zu schwierig geworden. Vor 20 Jahren wäre das noch anders gewesen.
Zu dem Cache mit dem roten Fähnchen komme ich später.

Heute führt ein breiter, teilweise ausgewaschener Weg zum Meer. Eingebettet zwischen den beiden Bergrücken ist das ein richtig schöner Weg. Vermutlich ist man im Sommer aber nicht mehr so einsam, wie wir es im letzten Jahrhundert gewesen sind.

Mein Ziel bei dieser kleinen Wanderung waren drei der nicht schwierig zu findenden Geocaches, die mitten in der Bucht nacheinander aufgereiht liegen. Armins Ziel war ein Fenster in den Felsen, das von beiden Seiten gut sichtbar ist. Genau dort ist nämlich der Cache mit dem Fähnchen versteckt.

Das "Fenster" ist von der Boquér-Schlucht leider nicht so deutlich zu sehen. 2 cm links von dem Steilabfall, ganz oben, kleines Rechteck.

Siehe hierzu auch den Beitrag zu unserem Familienfest im vergangenen Jahr: Die Jugend geht eigene Wege.

Aber zurück zu Armin am Fenster.

Der winzige Punkt ganz oben rechts auf und fast an der Kante, das ist Armin
So sieht mich Armin.

Bei mir war eine junge Familie, die mich ansprachen, ob ich auch gesehen hätte, dass da oben einer herum klettert. Sie machten sich Sorgen um diesen Menschen.
Ich gebe zu, dass ich mit einem gewissen Stolz sagte: "Das ist mein Sohn!" Es gelang mir, die Ängste der bergunerfahrenen Leute zu zerstreuen, und ihnen ein wenig über meine Geschichte mit der Boquér-Bucht zu erzählen. Unterhalb des Fensters war ich nämlich mit Christiane am 6. Januar 2008, an unserem 40. Hochzeitstag. Mit uns war ein Neffe Gottfrieds und dessen Frau hoch gewandert. Als uns der Weg zu problematisch wurde, hielten wir eine kurze Rast. Unser Begleiter holte, überraschend für uns, aus seinem Rucksack einen kleinen Kuchen und eine Kerze. Er stellte beides in eine Felslücke, zündete die Kerze an und gratulierte uns zu unserem Gedenktag. Schöne Erinnerungen.

Traumhafter Blick auf die Fundstelle unseres Geocaches bei Cala St. Vicenc
Noch einmal, durch das Fenster.
Blick auf die Boquér-Bucht, dahinter Formentor.
Blick aufs Meer

Zum Schluss noch ein paar Bilder von der schönen Boquér-Bucht. Die beiden Geocacher, deren Cachernamen übrigens "Stinkfüchse" lautet, habe ich beim Suchen überrascht. Wir haben uns nett ausgetauscht, und schließlich gemeinsam gesucht und gefunden.

Eins bin ich noch schuldig. Armin hatte nur Augen für die Schönheit der Natur, und war von seiner nicht ganz einfachen Kletterei gefangen. Den Cache am Fenster hat er nicht gesucht und natürlich auch nicht gefunden. Hätte er mich dabei gehabt, wäre das ganz sicher nicht passiert. Vertauschte Rollen. (Siehe dazu den Bericht über unseren Palma-Bummel)

Armins letzter Tag

Die schönste Zeit geht leider irgend wann einmal zu Ende. Armin musste wieder zurück nach Deutschland. Am letzten Tag hatte er noch einiges zu erledigen.

Ich unternahm deshalb allein eine Radtour. 15 km, für meine noch junge Radfahrerkarriere nicht schlecht. Wie schon so oft musste ich feststellen, dass sich - vor allem wegen der längeren Radfahrpausen - Gesäß und Sattel immer noch nicht so richtig aneinander gewöhnt haben.

Aber ich konnte ein paar schöne Bilder von der Bucht von Pollenca einfangen:

Also Spaß macht das mit dem Rad auf jeden Fall. Und ich habe nur auf dem halben Weg den Stromantrieb genutzt. Da war ein heftiger Gegenwind. Und ganz ehrlich: Dann macht es doppelt Spaß, locker gegen den Wind anstrampeln, so als wäre das gar nichts.

Schamhaft verschweige ich, dass ich am Scheitelpunkt meiner Radtour einen Cache gesucht, und - nicht - gefunden habe.

Danke, Armin,
Für die wunderbaren Erlebnisse mit Dir
Für die guten Gespräche
Für Deine Zeit

4 Gedanken zu „Mallorca, die ersten zwei Wochen – zweiter Teil

  1. Johannes

    Wieder einmal vielen Dank für die wunderbaren Berichte! - Ein paar der Bilder erinnern mich an eigene Aufenthalte auf der Insel und lassen mich schmunzeln.

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  2. Birgid Daehler

    Lieber Wolfgang,
    Ich sitze im verschneiten, sehr kalten Wiesbaden und habe Dich/Euch eben auf euren Touren auf Mallorca begleitet.
    Sehr schön, war ein kleiner Urlaub an dem auch von mir so geliebten Ort.
    Wünsche Dir weiter so ausgefüllte und erholsame Tage, mit lieben Grüßen auch an die Familie, Birgid
    PS Der Weihnachtsgruss von Christel hat mich sehr berührt.

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