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Phase 2: Alleinsein im Büsle – die nächsten Stationen

Der See von Plau

Da habe ich mir etwas wirklich schönes ausgesucht. Der Plauer See ist ein See, der zur Müritzer Seenplatte gehört. Ich habe ihn über die Suche nach einem Campingplatz gefunden. Plau ist ein schöner Ort und schmiegt sich an den schönen See. Ich bleibe zwei Nächte dort.

Auf der Fahrt nach Plau nehme ich mir vor, noch vorsichtiger zu fahren. Gelegentlich kam nämlich früher von der Beifahrerseite ein deutlicher Hinweis auf eine Gefahrensituation, oder eine fast verpasste Abzweigung. Selbstverständlich hatte ich die Gefahr selbst schon längst erkannt. Aber selten, ganz selten, war der Hinweis sehr berechtigt und verhinderte Schlimmeres.

Bei der Anmeldung frage ich, ob es auf dem Campingplatz ein Restaurant gibt. Leider nicht, erfahre ich, aber es gibt einen Wagen, in dem vorzügliche Burger zubereitet werden. Mit Burger habe ich, aufgrund tief sitzender Vorurteile, keine Erfahrung. Ich entscheide mich trotzdem für einen Burger zum Abendessen. Dem Burger-Koch erzähle ich, dass ich heute meinen ersten Burger esse. Er lächelt. Man wundert sich am Tisch, dass ich den Burger mit Messer und Gabel verspeise. Aufgeklappt, auf einer Seite Garnelen, auf der anderen Seite Hackfleisch gegrillt.

Ich werde beim essen aufmerksam beobachtet; ein nettes Paar an meinem Tisch und eine Familie am Nachbartisch haben mitbekommen, was ich dem Koch gesagt hatte. Sie beobachten jeden Biss den ich nehme und fragen sofort nach meinem letzten Bissen, ob es mir jetzt geschmeckt hat.

Ich muss zugeben, es hat geschmeckt. Mein Kommentar war, dass ich wieder einen Burger essen werde, wenn er so gut schmeckt, wie dieser.

Unfreiwillig habe ich später meine Tischnachbarn noch zu fröhlichem Lachen verleitet. Katharina rief mich an, und es lässt sich trotz leisen sprechens natürlich nicht verhindern, dass die Umgebung mitbekommt, was man sagt. Während des Telefonats will ich etwas in meinem Handy nachschauen. Ich suche aufgeregt vergeblich auf und unter dem Tisch und in meinen Taschen nach dem Handy, bis mir Katharina sagt, dass ich es wahrscheinlich beim telefonieren am Ohr habe. Ich stimme in das allgemeine Gelächter gerne ein. So herzhaft habe ich lange nicht mehr gelacht.

Am nächsten Tag erkunde ich den Ort mit dem Fahrrad. Natürlich geleitet von zwei tollen Adventure-Lab-Caches, die mir sehr schöne Stellen im Ort zeigen. Alles war gut, nur mein Gesäß zeigte sich weniger mit meiner Unternehmung zufrieden.

Auf dem Rückweg von der Ortsbesichtigung verführt mich das Plakat eines Lokals direkt am See mit dem Angebot frischer Waffeln mit Kirschen und Sahne. Ich genehmige mir ein Bier dazu und unterhalte mich als einziger Gast gut mit dem Wirt. Die Waffeln waren übrigens vorzüglich.
Zwischen Christl und mir waren Waffeln ein sich immer wiederholender Disput. Wir besitzen schon lange ein Waffeleisen. Es gab aber so gut wie nie frisch gebackene Waffeln. Sah ich irgendwo schöne Waffeln, empfahl ich Christl, dass wir uns doch vielleicht ein Waffeleisen kaufen sollten, und erntete ein mitleidiges Lächeln dafür. Zugegeben, ich hätte mir ja auch selbst welche backen können.

Die Ostseeküste in Rerik, westlich von Rostock

Grundsätzlich habe ich mich auf diesen Punkt der Reise gefreut. Meer, Steilküste, Fisch am Abend. Ich hatte überlegt, vielleicht zwei Tage zu bleiben.

Die freundliche Dame am Empfang fragte mich, ob ich alleine komme. Ich antworte, ohne nachzudenken, ja, seit vier Wochen. Die arme Frau wußte nicht, was sie darauf antworten soll und stammelte etwas, von tut mir leid. Da muss ich aufpassen. Das ist nicht fair. Das darf sich nicht wiederholen.

Was ich antraf, war ein riesiger, dicht besiedelter Campingplatz, gespickt mit zahlreichen Animationsmöglichkeiten. Na gut, dachte ich mir, im Prinzip benötige ich nur einen Platz für das Büsle, mit Strom und nach Möglichkeit nicht allzu weit vom Sanitärgebäude entfernt. All das hatte ich bekommen.

Das Büsle steht, und ich gehe los, das Meer und die Steilküste zu erkunden und zwei Earthcaches zu lösen. Ans Meer führt eine schmale Furt durch die Steilküste. Dort herrscht reger Verkehr von Touristen mit und ohne Hund. Auf großen Plakaten wird darauf hingewiesen, dass sich nach rechts hundelose und nach links hundebesitzende Campingplatzbesucher bewegen dürfen/sollen. Also, ich glaube, ich hätte auch ohne Hund nach links gehen können, entscheide mich aber nach rechts zu gehen, weil dort die Earthcaches sind, die ich lösen möchte. Mir begegnen mindestens 20 Hunde. So viel zur Wirkung von Plakaten.

Verwöhnt vom Strand in Muro auf Mallorca (den ich nicht erwartet habe), finde ich einen relativ naturbelassenen Strand vor. Die Leute gehen wie ich relativ nah am Wasser. Ein Streifen Kieselsteine trennt das Meer vom schmalen Sandstrand. Dort haben sich sonnenhungrige Camper hinter Planen versteckt. Manche verzichteten allerdings auch auf den Sichtschutz sowie auf Bade- und sonstige Kleidung. Überwiegend war das kein die Neugierde weckender Anblick. Ich nahm das auch nur aus den Augenwinkeln wahr, weil ich den Strandboden nach Litoralen Seifen absuchte. Vorweggenommen: Gefunden habe ich keine. Dorle schrieb mir, sie sei überzeugt davon, dass ich diesen Campingplatz und seine Umgebung deshalb so negativ beurteile. Vielleicht hat sie sogar recht.

Die Steilküste war ca. 5 m hoch, und überwiegend gar nicht so steil, wie ich mir das vorgestellt habe. Statt Litorale Seifen entdeckte ich mindestens 100 kleine tote Fische, die zwischen Wasser und Kieselstreifen, teilweise auch auf diesem, lagen. Keine der zahlreichen Möwen interessierte sich dafür. Ich fragte einen Angler, den ich für einen Experten hielt, was das bedeutet. Er konnte mir keine Auskunft geben. Schade, das hätte mich schon interessiert.

Die vergebliche Suche nach Litoralen Seifen beendend, drehte ich mich um und ging zum Campingplatz zurück. An der Furt sind auf einer Seite in Terrassen Tische und Stühle aufgestellt und ich freue mich auf ein kühles Bier. Das bekam ich. Zwar ein Krombacher, aber es hat geschmeckt.

Christl und ich hatten eine, von vielen als zweifelhaft angesehene Lieblingsbeschäftigung. Wenn wir in Nürnberg unterwegs waren, suchten wir eine Backstube an der Maxbrücke auf. Dort waren Sitzmöglichkeiten in einem Schaufenster geschaffen. Wir setzten uns dort hin, tranken Kaffee und aßen etwas. Hauptsächlich aber beobachteten wir die vorbeigehenden Leute, und, ja, ich gebe es zu, wir bedachten sie nicht immer mit freundlichen Bemerkungen. Ich halte uns zugute, dass die Menschen nicht gehört haben, was wir sagen, und wir waren auch sonst ziemlich diskret.
Mein Bier vor mir, und der direkte Blick auf die meerhungrigen Campingplatzbewohner, die zum Meer und zurück flanierten, brachte mir das in Erinnerung. Was ich nur für mich dachte, und nicht aussprach, machte aber keinen Spaß. Vor allem, weil keine Ergänzung kam. Ich beschäftigte mich deshalb mit meinem Handy und meinem Bier.

Nach dem erfreulichen Biergenuss schaute ich mir die Speisekarten des Campingplatzrestaurants an. Auf der Suche nach einem leckeren Fischgericht. Das Angebot bestand überwiegend aus Pizza. Zwei Fischgerichte: Dorade und Lachsfilet, ich weiß gar nicht mehr wie zubereitet, waren das einzige, was an der Ostsee fischmässig angeboten wurde.

Ich gehe zum Büsle, richte mir ein kleines Abendessen und nehme es vor dem Büsle ein. Alle zwei Minuten geht jemand an mir vorbei, ruft mir ein "Moin" zu, ich antworte natürlich freundlich. Grundsätzlich gefällt mir das. Ein Aschaffenburger zwingt mir fast eine politische Diskussion auf, die ich gerade noch rechtzeitig abwehren konnte. Ein kleiner Junge vom Stellplatz gegenüber beobachtet mich genau. Ich winke ihm zu, sein Vater hat sich darüber gefreut. Geschlafen habe ich gut. Am nächsten Morgen fahre ich - ungeplant - nach Wismar zu einer Stadtbesichtigung.

Der Fairnes halber möchte ich zugeben, dass die Ursache dieses "Misserfolges" ich selbst gesetzt habe. Für mich war es keine Frage, dass die gesamte Ostseeküste den tollen Bildern zum Beispiel von Rügen entspricht. Dorthin hätte ich fahren sollen, dann wäre ich wahrscheinlich kein bisschen enttäuscht gewesen.

Wismar

Wismar ist schnell erreicht. Ich suche mir einen Parkplatz am Rand der Innenstadt, und nehme mein Fahrrad. Die Stadtbesichtigung war deshalb zeitlich noch kürzer, als die zuletzt beschriebene. Ein paar wenige Geocaches sind schnell gefunden, und ich kaufe mir auf dem Markt Lebensmittel für den Abend.

Schön war es, durch den Hafen von Wismar zu bummeln. Zwei alte Segelschiffe erregen Aufmerksamkeit.

Am Rand des Hafens möchte ich einen Cache suchen. Es ist ein sehr origineller Cache, einen solchen habe ich noch nie besucht.
In einem Eissalon steht auf dem Tresen ein dickes Buch - das Logbuch. Der Owner des Caches versichert, dass er keine Geschäftsbeziehung zu dem Eissalon hat. Ich betrete den Salon, übersehe das dicke Buch und frage die Bedienung, wo der Geocache versteckt ist. Sie bringt mir sofort lachend das Buch, und ich ärgere mich darüber, dass es mir nicht aufgefallen ist. Ich trage mich in das Buch ein und kaufe mir ein gutes Eis, die Kugel für 1.30 €.

Als ich meinen "Fund" im Internet verbuchte stellte ich zu meiner großen Freude fest, dass sich meine liebsten Cacherfreunde "WeAreElchi" im Mai auch dort eingetragen hatten.

Der Eissalon - mit dem historischen Tor, das eigentlich Thema des Caches ist.

Lübeck

Auf der Autobahn erreiche ich das ca. 60 km entfernte Lübeck schnell. Ich entschließe mich, auf dem preiswerten, aber völlig komfortfreien Wohnmobilstellplatz zu übernachten. Sein großer Vorteil war, dass er direkt am Rand des Zentrums lag.


Schnell ist das Büsle für die Nacht bereit gestellt, und ich entrichte meinen Obolus an einem Parkautomaten. Als ich mich umdrehe, erschrecke ich leicht. Ein Mann stand direkt hinter mir, und schaute mir offensichtlich über die Schulter. Ich hatte nicht bemerkt, dass er gekommen war. Ein Engländer, der sich mit der Bedienung des Automaten schwer tat. Ich helfe ihm bei der Bedienung und mit den passenden Münzen, und wir kommen ins Gespräch. Eigentlich war es kein Gespräch, es war so, dass der sympathische Mann mir seine Beziehung zu Lübeck erzählte, und ich hörte zu. Ich musste nicht viel sagen, was nicht das Schlechteste war. Aber ich bin sehr stolz darauf, dass ich seine Geschichte richtig gut verstand.

Sein Vater wurde nach dem Kriegsende, eigentlich gegen seinen Willen, nach Deutschland versetzt. In Lübeck bekam er ein Motorrad und den Auftrag, nach Gaststätten und anderen geeigneten Etablissements für die englischen Soldaten zu schauen. Auf einmal machte ihm seine Versetzung Spaß. Es ging ihm gut in Lübeck und Umgebung. Er schwärmte zeitlebens von diesem Auftrag. Und der Sohn vollzog bei dieser Reise die Stationen seines Vaters nach. Sein nächstes Ziel war Wien. Was der Vater dort gemacht hat, erzählte er mir nicht.

Am Abend reiste der Mann ab. Er kam noch einmal zu mir und verabschiedete sich. Eine nette Begegnung.

Ich ließ das Fahrrad auf dem Büsle und ging zu Fuß in die Innenstadt. Und das muss ich sagen: Lübeck ist eine schöne Stadt.

Ein Geocache verlangte als Logbedingung, dass ich einer Teufelsfigur vor der Michaelskirche, die Weltkulturerbe ist, die Hand aufs Knie, nur aufs Knie, sonst nirgend wo, legen sollte. Ein Foto sollte als Beweis dienen. Ich bat einen freundlich schauenden Touristen, mich zu fotografieren, was der auch bereitwillig machte.

Nach mir fotografierte ein Mann seine Frau zusammen mit dem Teufel. Er sagte beim Fotografieren: "Ihr Beide passt gut zusammen!" Mit Ausnahme der Fotografierten haben alle umstehenden herzhaft gelacht.

Ich habe aufgepasst. Der Teufel hat in dieser Zeit niemand etwas getan.

Zwei beeindruckende Gebäude möchte ich mit Bildern zeigen: Das Rathaus

Das Holstentor

Jeder kennt es, trotzdem zeige ich ein paar Bilder davon. Wegen eines Geocaches musste ich es von allen Seiten begutachten.

Meine Geocaching- und die damit verbundenen Besichtigungstour hat mich ganz schön weit in der Stadt herum gebracht. Ich bekam große Lust auf ein schönes Bier vor einer gemütlichen Kneipe. Leider fand ich nur (internationale) Speiselokale. Wenig gemütlich, und für ein Bier nicht einladend. Hier zeigte sich Lübeck nicht von seiner besten Seite. Ein einziges Bierlokal fand ich - aber das war geschlossen.

Schließlich landete ich in einem Weinlokal. Die Tische waren nebeneinander vor dem Lokal aufgereiht. Ich setzte mich. Am Nebentisch saß eine ältere Dame. Zu deren Missvergnügen bestelle ich ein Bier. Nicht unfreundlich sagte sie mir, ich befände mich hier in einem ausgezeichneten Weinlokal. Als ich ihr sagte, wie lange ich durch die Stadt gelaufen sei, zeigte sie ein gewisses Verständnis für mein Bedürfnis. Um guten Willen zu zeigen, bestelle ich zum Bier noch ein Winzerbrot. Das fand ihre Zustimmung. Beides schmeckte übrigens gut.

Wir kommen in ein nettes Gespräch. Ich erfahre von ihr, dass sie ihr ganzes Leben in Lübeck lebt, und ihre Stadt sehr liebt. Sie wohnt etwas außerhalb, aber natürlich noch in Lübeck! Und sie hat einen Mercedes. Den benutzt sie aber nicht, um in die Stadt zu fahren. Sie muss durch einen neuen Tunnel in die Innenstadt fahren, und das kostet eine Gebühr. Wenn sie die nimmt, und ihre Spritkosten, fährt sie mit dem Bus günstiger.

Während ich mein Bier trinke, trinkt sie zwei Gläser Wein. Irgendwie kommt mir das bekannt vor.

Der Wohnmobilstellplatz befand sich direkt neben einer stark befahrenen Strasse, und ich war relativ spät gekommen. Deshalb waren die Strassen fernen Plätze alle belegt, und ich stand nur wenige Meter von der Strasse entfernt. Davon habe ich aber nichts bemerkt, bis ich am Morgen gut ausgeschlafen aufwachte.

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