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„Urlaub“ 2024 – Reise nach Slovenien

Jeder fragt mich, ob ich in den Urlaub fahre. Urlaub steht in Anführungszeichen. Urlaub ist "Freistellung von Arbeit unter Beibehaltung der Bezüge". Diese Definition habe ich irgendwann einmal gelesen. Sie gefällt mir, hilft mir aber nicht, wenn ich beschreiben möchte, was ich gerade mache. Diesen Zustand darf ich bekanntlich seit langem genießen. Was mach ich dann, wenn ich mich ins Büsle setze und soviel schöne Orte, wie möglich, besuche? Nennen wir es "Ferien". Ich denke, das trifft es am Besten.

Meine Reise in diesem Jahr geht zu unseren liebsten Freunden, Janja und Zvone in Slovenien. Mit den Beiden haben wir in den letzten ca. 30 Jahren unendlich viel schönes erlebt. Wir lieb(t)en sie. Und wir haben von Slovenien dank unserer Freunde so viel gesehen, dass wir auch in dieses kleine, aber unglaublich vielfältige Land verliebt sind.

Seit Monaten habe ich eine dicke Einladung für einen Besuch. So freue ich mich doppelt. Zuerst darauf, die Freunde wieder zu sehen, und dann darauf, wieder mit dem Campingbus zu reisen.

Mit Zvone habe ich vereinbart, dass ich am 14. Juni bei ihm eintreffe. Warum gerade am 14. Juni? Ganz einfach, da eröffnet die deutsche Nationalmannschaft die Europameisterschaft, und dieses Spiel will er mit mir zusammen ansehen. Hoffentlich gewinnen "wir".

Weil es eine Sünde wäre, auf direktem Weg durch die traumhaft schönen Landschaften zwischen Nürnberg und Ljubljana zu fahren, lasse ich mir 8 Tage Zeit für diese Fahrt. Vor allem das Gebirge lockt mich. Eigentlich wollte ich am Samstag, 8. Juni fahren. Am Freitag war aber bereits alles geregelt. Die Wohnung aufgeräumt, das Bett frisch bezogen, die angefallene Wäsche gewaschen und aufgeräumt, das Büsle reisefertig gemacht. Also leerte ich nach dem Frühstück den Kühlschrank in der Küche und füllte den im Büsle. Als Ziel gab ich dem Navi Ruhpolding ein, und die Weisung, auf Autobahnen zu verzichten. Ein wenig Sorge hatte ich nämlich, weil die Route direkt durch das Überschwemmungsgebiet geht, und Katastrophentourismus liegt mir fern. Durch einige Umleitungen konnte und mußte ich diese Gebiete aber ohnehin umfahren.

Zum Beginn der Reise besuchte ich Christiane in Leinburg und brachte ihr ein paar Blumen. Damit hole ich nach, was ich 58 Jahre lang (sträflich) vernachlässigt habe.

Ich bummelte mit dem Büsle über Bundes- und Landstrassen, besichtigte bei Neustadt an der Donau ein Römercastell und warf von dort aus einen Blick auf die Donau, die das gesamte ihr zur Verfügung stehende Bett ausnützte, ohne aus dem Bett zu fallen, und fuhr weiter bis Landshut.

Römisches Kastell Abusina

Als ich dort eintraf, war es Zeit für das Abendessen und vor allem für die Suche nach einem Übernachtungsplatz. Den fand ich natürlich leicht mit Hilfe des Internets. Ein schöner Stellplatz, direkt an der Isar, am Rand der Altstadt, mit schönem Blick auf die Burg und den interessanten Kirchturm. Ich hatte keine Ahnung von Landshut und stellte bei einem Geocache-geführten Bummel der Isar entlang fest, dass es eine wirklich schöne Stadt ist.

Die Isar hatte viel Wasser und rauschte ordentlich über ein Wehr. Es bestand aber überhaupt keine Gefahr, dass sie dort, wo ich spazierte und übernachtete, über das Ufer hinaus geht.

Die Isar teilt sich in zwei Arme

Es war warm, viele Leute saßen in den Biergärten am Fluss.

Ich ging in die Innenstadt und genehmigte mir - nein, kein fränkisches "Weizen"-, sondern ein bayerisches Weissbier, wie der Ober deutlich meine falsche Bestellung richtigstellte. Dazu gab es einen schmackhaften Bayerischen Wurstsalat. Zwei Strassenmusikanten, ein Akkordeonspieler und ein Kontrabassist spielten auf. Auf dem Bild ist leider nur noch der Mann mit dem Kontrabass zu sehen, der Akkordeonspieler war beim kassieren.


Den Abend verbrachte ich auf dem Stellplatz im Büsle. Eigentlich war alles bestens, bis auf zwei Möchtegernrennfahrer, die auf einer staubigen Schotterstrasse mit sehr hoher Geschwindigkeit an den abgestellten Wohnmobilen vorbei rasten und eine Staubwolke hinterließen. Weil es so schön warm war, stand die Türen der Wohnmobile offen und ich hatte anschließend eine dicke Staubschicht auf der Küchenabdeckung. Das hat mich geärgert. Den Kraftausdruck, den ich diesen rücksichtslosen Typen hinterher rief, haben sie leider nicht gehört.

Nach einer ausgesprochen ruhigen Nacht und einem - wie immer - üppigen Frühstück setzte ich meine Fahrt fort. Ach ja, ein freundlicher Bäcker bot den Wohnmobilisten und speziell mir, weil er direkt vor dem Büsle stand, frische Brötchen an. Schweren Herzens lehnte ich das Angebot ab. Ich habe letzte Woche für den sonntäglichen Brunch mit Dorle ein Brot gebacken, das unbedingt aufgegessen werden musste. Wegwerfen kam und kommt überhaupt nicht in Frage. Also gibt es altbackenes Brot, ich schätze mindestens noch drei Tage.

Während ich das schreibe, sitze ich im Büsle auf dem Wohnmobilstellplatz in Ruhpolding.

Stellplatz in Ruhpolding

Die Fahrt war sehr schön. Wenig Verkehr, herrliches Wetter, schöne Landschaften. In Vilsbiburg haben Christl und ich im Jahr 2017 auf der Rückfahrt von Slovenien (!) übernachtet. Heute versuchte ich dort erfolglos einen Adventure-Lab-Cache (ALC) zu machen. Als Ausgleich genoss ich eine lebhafte, gute Diskussion mit einem jungen Mann, der für die mir sehr nahe stehende Partei Wahlwerbung für die Europawahl machte. Mich musste er nicht überzeugen, ich hatte meine Stimme bereits per Brief abgegeben. Obwohl, eine Diskussion war das im eigentlichen Sinn nicht. Wir waren uns in den allermeisten Punkten ziemlich einig. Vor allem in der Ablehnung des politischen Gegners. Als Andenken nahm ich einen Werbe-Kugelschreiber und ein kleines Gläschen Quittenmarmelade mit, die die örtliche Europa-Abgeordnete selbst zubereitet hat. Der Kuli bereichert jetzt Christls Sammlung.

Markt in Vilsbiburg

Dann erfüllte ich mir einen Wunsch. Darauf freute ich mich schon, seit ich die Reise konkreter plante. Ich fuhr mit dem Doppelsessellift auf den Unternberg. 1425 m hoch, mit traumhaft schöner Rundumsicht, auf den Chiemsee und in die Bayerischen Alpen.

Die letzten Meter zum Gipfel legte sich zu Fuß zurück. Dann genehmigte ich mir mit herrlicher Aussicht auf schneebedeckte Gipfel ein Weissbier. Um 16.30 Uhr kündigte der Sesselliftchef an, dass um 17.00 Uhr die letzte Rückfahrt erfolgt. Schwarze Wolken verdrängten bereits die Sonne.

Für 20.00 Uhr war starkes Gewitter angesagt. Das hat sich nicht an die Zeit gehalten und ging früher los, glücklicherweise war ich da bereits im Büsle.

Ich hatte beim Bezahlen der Liftfahrt gefragt, ob es erlaubt ist, auf dem Parkplatz der Talstation zu übernachten. Die sehr freundliche Dame erklärte mir, dass das eigentlich nicht erlaubt sei. Ich erwiderte, dass ich das dann auch nicht machen werde. Bevor ich mich in den Doppelsessellift setzte, kam sie aus ihrem Büro heraus und flüsterte mir zu, dass ich ruhig über Nacht bleiben könne, da käme sicher niemand, um zu kontrollieren. Das hätte ich aber nicht von ihr erfahren. Ich bedankte mich für den guten Tipp, entschloss mich aber angesichts der dicken Wolken, doch lieber auf den Stellplatz im Tal zu fahren. Dort eingetroffen fing es auch prompt an, heftig zu regnen. Das Gewitter hat, für mich glücklicherweise, ein paar Kilometer nördlich in Traunstein und südlich Richtung Berchtesgaden getobt.

Das war ein richtig schöner Tag. Mal sehen, wie das morgen weiter geht. Das schöne Wetter ist leider zum Beispiel in Mittelfranken, von wo ich abgefahren bin, im Norden von Bayern, hier im Süden solle es heftig regnen.

Am nächsten Morgen ging ich nach dem Frühstück los, um in Ruhpolding einen ALC zu machen. Für den Weg zur ersten Station hatte ich mir vorgenommen, einem dringenden Bedürfnis nachzukommen. Nächste Gelegenheit dafür war der Bahnhof, sagte meine "Toiletten-App", ein äußerst sinnvolles Instrument für jeden Wildcamper.
Glücklicherweise bin ich in dieser Beziehung überhaupt nicht empfindlich, wie einzelne Mitglieder meiner Familie, die tagelang das Örtchen vermeiden, wenn es nicht ihr höchst privates ist. Als Camper könnte ich mir das auch überhaupt nicht leisten, da nehme ich in der Not auch eine Bahnhofstoilette.

Die einladend geöffnete Türe

Auf jeden Fall war die Toilette im Bahnhof geöffnet, was bei mir schon Erleichterung hervorrief. Was ich dann antraf, war eine blitzblank saubere, optisch ansprechende Toilette. Die morgendliche Sitzung wurde zum Vergnügen.
Erleichtert machte ich mich anschließend auf den Weg durch den Ort. Mein ALC führte mich an schöne und interessante Stellen.

Unter anderem zu der oberhalb des Ortes, weithin sichtbaren Ortskirche.

Ein wenig unterhalb der Kirche konnte ich noch einen Geocache "mitnehmen". Sonst bin ich ja gar nicht so ängstlich, aber nach der vorangegangenen regnerischen Nacht hatte ich meinen großen Stockschirm mitgenommen. Den legte ich bei der "Döschensuche" an der Kapelle auf eine Bank, um meine Hände frei zu haben. Den gut versteckten Cache fand ich. Nach dem Eintrag ins Logbuch stieg ich weiter hoch zur Kirche. Dort musste ich eine Frage beantworten.

Auch das ging gut. Meine nächste Station war hinter der Kirche wieder unten im Tal, und ich ging leichten Fußes den Berg hinunter. Als ich halb unten war, begann es zu regnen. Zunächst nahm ich das gelassen hin. Bis der Regen stärker wurde, und mir einfiel, dass ich ja einen Schirm dabei habe(n sollte). Ich hatte keinen Schirm bei mir. Fieberhaft rätselte ich, wo ich den Schirm zurück gelassen habe. Mir fiel nur die komfortable Bahnhofstoilette ein. Also, nichts wie den Weg zurück. Ein Wanderer, der hinter mir den Berg hinunter gegangen war, sah meine Kehrtwende und fragte mich: "Falsch abgebogen?" ich erwiderte: "Nein, Schirm liegen lassen!" Ihn erheiterte das, und er lachte im Weitergehen.

Unterhalb der Kirche begegnete ich einer Kirchgängerin. Wir begrüßten uns, wie es in dieser Gegend zu meiner Freude immer noch üblich ist. Weil wir nahezu das gleiche Tempo hatten, gingen wir fast nebeneinander den Berg hinunter. Es begann wieder etwas heftiger zu regnen, worauf die Dame ihre Jacke auszog und ihren Kopf damit bedeckte. Ich kommentierte das, indem ich sagte, besser wäre ein Schirm, wenn man den nicht irgendwo liegen gelassen hätte.
Sie sagte, da oben auf der Bank läge ein Schirm. Ich erwiderte, den hätte ich mir ja nehmen können. Geklingelt hat bei mir nichts, ich war zu sehr auf das Bahnhofsklo fixiert. Einige Meter weiter den Berg hinunter kam mir plötzlich eine Erleuchtung, und ich fragte die freundliche Dame, ob es sich bei dem Schirm auf der Bank um einen grünen Stockschirm gehandelt habe. Sie bejahte das, und beschrieb mir meinen Schirm in allen Einzelheiten.

Das Ergebnis: Ich vollzog erneut eine Kehrtwende und stieg den Kirchberg zum dritten Mal hoch. Aus Sorge, dass sich jemand den Schirm aneignen könnte, beeilte ich mich. Als ich an der Bank vor der Kapelle ankam, war ich gut außer Atem. Erleichtert setzte ich mich zu meinem guten Stück, das noch so lag, wie ich es hin gelegt hatte.
Von der Kirche her kam ein älteres Paar, das mich etwas kritisch beäugte. Die Frau fragte mich mit leisem Zweifel in der Stimme, ob das mein Schirm sei (ich hatte ihn zwischen meinen Beinen und stützte mich auf den Griff). Ich bejahte das und erklärte, dass ich wegen des Schirmes ein zweites Mal den Kirchberg besteigen musste. Die skeptische Frau zeigte sich mit meiner Aussage zufrieden und setze ihren Weg fort.

Ich erledigte noch einen zweiten ALC im Regen, und war ziemlich froh darüber, dass ich meinen Schirm (wieder) hatte.

Der Tag blieb regnerisch. Wie geplant fuhr ich weiter nach Reit im Winkl. Dieser Ort hat mich nicht begeistert. Tourismus, wohin man schaut. Ich erledigte einen ALC ohne große Höhepunkte und plante meine Weiterfahrt.

Demnächst berichte ich mehr.

2 Gedanken zu „„Urlaub“ 2024 – Reise nach Slovenien

  1. Dorle

    Für den Kirchbergaufstieg hat ja offensichtlich nur die Melone gefehlt, damit alles komplett gewesen wäre... 😀
    Danke für die lebendige Schilderungen. Es fühlt sich fast an wie dabei gewesen.
    Weiter eine gute Zeit!
    (-:

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