Zwei Seniorenreisen der Gemeinde Leinburg haben mich ins Altmühltal geführt. Nach der zweiten Reise bekam ich Lust, diese herrliche Gegend noch einmal, im doppelten Sinn allein, mit meinem Büsle zu erkunden.
Weiterlesen: Warum in die Ferne schweifen? Teil 2Hier ist mein Reisebericht.
Drei Tage habe ich mir genommen. Freitag, Samstag und Sonntag. Wichtige Termine hielten mich davon ab, die Reise zu verlängern. Donnerstag: Skatrunde, Montag: Seniorengymnastik und später Chorprobe.
Tag 1
Mein erstes Reiseziel war Kelheim an der Donau. Wie heißt der berühmte Spruch zur Donau:
"Iller, Lech, Isar, Inn,
fließen rechts zur Donau hin.
Wörnitz, Altmühl, Naab und Regen
kommen ihr von links entgegen."
In Kelheim trifft die Altmühl, von links kommend, auf die Donau.
Den Wohnmobilstellplatz hatte ich mir schon zuhause ausgesucht. Ein Foto ist er nicht wert. Gleichwohl habe ich sehr gut und ruhig geschlafen. Und, wichtig für den Camper, eine saubere Toilette schaffte morgendlichen Komfort.
Traumhaft war allerdings die Aussicht:

Die Donau mit ihrer Schiffsanlegestelle und beeindruckend, über der Stadt thronend, die Befreiungshalle.

Da wollte ich natürlich hin. Mein Elektro-Klapprad stand mit vollem Akku bereit. Ein wenig Sorge hatte ich wegen der zu bewältigenden Höhe, aber das war letztlich kein Problem.
Der Elektromotor nahm mir einen Großteil des körperlichen Einsatzes ab.
Natürlich gibt es rund um die Befreiungshalle einen so genannten Adventure-Lab-Cache. Eine besondere Cacheart, bei der man in der Regel 5 Stationen aufsuchen und Fragen beantworten muss. Klar, dass ich diesem Cache (erfolgreich) folgte.





Zum Beweis wurde von mir ein Bild auf der Treppe mit meinem Nickname "Buessle" gefordert. Hier ist es. Die Dame auf der Treppe gehört nicht zu mir.

Hinter diesen Bäumen verbirgt sich Kelheim. Von der blauen Donau ist leider nur ein wenig zu sehen. Warum ich nicht von oben fotografiert habe? Ich weiß es nicht.


Die Bilder zeigen den Beginn des Ludwig-Donau-Main-Kanals, des so genannten "Alte Kanals", der auch rund um Nürnberg ein wunderbares Ziel für Wanderungen und Radtouren ist. Wir haben häufig davon Gebrauch gemacht. Einen Beitrag dazu habe ich einmal geschrieben.
Nach meinem Geschmack ist das Zentrum von Kelheim doch ganz schön kommerzialisiert.



Am Abend gab es ein gutes Vesper im Büsle. Allerdings mit "Leinburger Hell", und nicht mit einer Schneider-Weissen. Ich befand mich - was die wenigsten wissen als gebürtiger Mittelfranke - in Kelheim in Bayern. Und ich muss zugeben: Die bayerische Schneider-Weisse ist schon etwas Feines. Übrigens bestellt man in Bayern ein "Weissbier", in Franken "a Waizn".
Tag 2
Die Wetterprognose für den kommenden Tag war nicht besonders gut. Eine böse Unwetterfront näherte sich von Nordwesten her. Starke bis sehr schwere Gewitter wurden angekündigt. Ich entschloss mich, diese Prognose zu ignorieren, und erst an "Flucht" zu denken, wenn es bedrohlich wird.
Ein Geocache führte mich nach einem üppigen Frühstück im Büsle zur Tropfsteinhöhle Schulerloch. Sicherheitshalber fuhr ich mit dem Büsle zum Parkplatz.
Wenn ich gewusst hätte, was mich da erwartet! Ein ziemlich steiler, lang gezogener Weg führt zum Höhleneingang. Ich habe leider ein wenig Probleme mit meinem Herz. Mein Kardiologe erinnerte mich daran, dass mein Herz genauso alt ist, wie ich (!). Eine gar nicht so starke Belastung, vor allem am frühen Morgen, bringt kleine Probleme, die weg sind, wenn man Ruhe gibt. Genau das mache ich. Sobald sich da etwas rührt, bleibe ich stehen und warte, bis alles wieder im Reinen ist.
Mit einer Führung in der Höhle hat es leider nicht geklappt. So holte ich mir meine Informationen für den Geocache, trank eine Apfelschorle und begab mich wieder zum Parkplatz.


-am Höhleneingang-

Die Altmühl ist hier auch der neue Main-Donau-Kanal. Insider wissen, dass der an unserem letzten Wohnort nahe an unserer damaligen Wohnung vorbei führt.
Kurz vor dem Pfeifen meines Kaffeewassertopfs endete mein Gasvorrat. Glücklicherweise gab es gerade noch heißen Kaffee.
Ich musste deshalb zwingend Nachschub kaufen. Zu dem Zweck fuhr ich zurück nach Kelheim. Der Baumarkt hatte die benötigten Gasflaschen vorrätig.
In der Nähe des Baumarkts sind zwei Geocaches, die mich interessierten. Nah an der Donau.



Eigentlich mehr zufällig sah ich später im Vorbeifahren einen Hinweis auf die Burgruine Randeck. Sofort bog ich ab.
Dieser schnelle Entschluss, so gar nicht vom Hobby geprägt, führte mich zu einem echten Kleinod.
Nahezu senkrecht schaut man nach unten auf die Altmühl. Von dem angesagten Gewitter ist übrigens noch nichts zu sehen.




Eine nette Geste des Burg-Nachbarn


Rechts die Burg vom Tal aus gesehen
links eine bemerkenswerte, interessante Brücke, an der Altmühl, unterhalb der Burg.
Die Herbst-Bilder stammen aus dem Jahr 2015.

Das aktuelle Bild, die Burgruine Randeck vom Tal aus gesehen.
Sehr schön war übrigens einer der seltenen Anrufe die ich bekomme. Schuld daran bin ich selbst. Jeder weiß, dass ich nicht gerne telefoniere.
Es gibt natürlich Ausnahmen. Dieser Anruf, den ich gerade in dem Moment annehmen konnte, als ich die Traumsicht auf die Altmühl genießen durfte, gehört zu den großen Ausnahmen. Ich konnte meinem Gesprächspartner in Münster zeigen, wo genau ich in diesem Moment stehe. Ein Hoch auf die positiven technischen Möglichkeiten, die das Internet uns bietet.
Also, heim fahren wollte ich definitiv noch nicht. Meine Überlegung ging dahin, dass ich das böse Gewitter auch gut im Büsle erleben kann. Schließlich ist es ein Faradayscher Käfig. Bei der Suche nach einem Stellplatz stieß ich auf die mir bestens bekannte Benediktinerabtei Plankstetten. Wir waren dort häufig. Nicht nur wegen dem guten Essen in der Klosterschänke, auch nicht nur wegen dem Klosterladen mit vielen kulinarischen Köstlichkeiten.
Was ich nicht wusste: Das Kloster bietet Wohnmobilisten seinen Parkplatz für Übernachtungen an. Zwar ohne jeglichen Komfort (wenn man von der herrlichen Lage absieht), aber auch ohne eine Übernachtungsgebühr.
Ich suchte mir auf dem Parkplatz einen schönen Stellplatz aus, nahm mein Elektrofaltrad und fuhr in das Hafengelände des schönen Orts Berching. Dort wartete - wie kann es anders sein - ein Geocache auf mich. Den Ort musste ich nicht mehr besichtigen, das haben wir in der Vergangenheit gründlich getan.

So fuhr ich mit dem Rad sehr schön an der Altmühl entlang. Da konnte ich meinem Elektro-Falt-Bike so richtig schön die Sporen geben. Es waren keine Steigungen zu bewältigen.
Mein Ziel war ein Denkmal zur Einweihung des Main-Donau-Kanals.

Tatsächlich verbindet dieser Kanal die Nordsee mit dem Schwarzen Meer. Wir haben uns aber immer darüber gewundert, dass bei diesem sehr aufwändigen technischen Meisterwerk nicht mehr Schiffe unterwegs sind.
Eigentlich erlebten wir im Wesentlichen Binnen-Kreuzfahrtschiffe. Wer mag, kann unter dem Link nachlesen, dass der Kanal doch wirtschaftlich bedeutsam ist.
Nach meiner Rückkehr gönnte ich mir in der Klosterschänke zu meinem Weizenbier vier Bratwürste mit Sauerkraut. Das Brot hob ich mir fürs Frühstück auf. Der Klosterladen, der nach meinen Erfahrungen tolle Sachen anbietet, hatte zwei Minuten zuvor geschlossen. Ich wurde übrigens in der Klosterschänke hervorragend bedient.



Ich kenne den Grund dafür nicht. Aber ich schlafe in meinem Büsle deutlich länger, als in jedem anderen Bett. 8 Stunden habe ich auf dem Parkplatz des Klosters geschlafen. Es war eine ruhige Nacht in schöner Umgebung.
Und das angekündigte Gewitter hat immer noch einen Bogen um das Altmühltal gemacht. Ich hatte den ganzen Tag über nur kurz einen kleinen Regenschauer, als ich mich zur Höhle hoch gequält habe.
Als "Wildcamper", die wir viele Jahre mit unserem Büsle waren, ist man stets auf der Suche nach einer sauberen Toilette. Dabei habe ich die wichtige Erfahrung gemacht, dass Klöster neben all den vielen guten Dingen, die sie leisten, dem Camper diesen wichtigen Wunsch erfüllen.
So muss ich meine Aussage, der Stellplatz sei ohne Komfort, berichtigen. Die Toilette war geöffnet, und wie gewohnt blitzblank sauber.
Tag 3
Am Sonntag wollte ich, wie gesagt, wieder zurück nach Hause. Es war wunderbares Wetter. Vom Gewitter nichts zu sehen.
Am Abend zuvor hatte ich mir angeschaut, wo ich interessante Geocaches finden könnte. Dabei fiel mir das Örtchen Sulzbürg ins Auge. Eine geologische Besonderheit und eine kleine Ortsführung mittels Adventure-Lab-Cache lockten.
Es hat sich wirklich gelohnt, diesen kleinen Abstecher vom Altmühltal aus zu machen. Die Strasse führte zunächst relativ steil bergan. Das Büsle meisterte die Steigung allerdings problemlos. Schon, als ich einen Parkplatz in der Ortsmitte ansteuerte, fiel mir dieses herrliche Fachwerkhaus, das ehemalige (?) Gasthaus Linde auf.

Rechts sieht man schon andeutungsweise, was ich später noch detaillierter beschreiben werde. Zunächst führte mich meine "Ortsbesichtigung", an der prächtigen Dorflinde vorbei, zur schlichten, aber für mich schönen Dorfkirche.









- am Rand des Friedhofs -




Nächste Station war, lt. meinem Reiseführer, ein Schloss. Der ganze Ort liegt am Berg. Zur Kirche musste ich deshalb vom Marktplatz kommend, schon ansteigen. Also wieder runter. Und dann rechts von der Linde weiter.
Wer genau hin schaut: 20 Prozent Steigung waren meine Herausforderung. Ohne das Büsle. Zu Fuß. Aber wie heißt der alte Spruch: "Gelobt sei, was hart macht". Ich ging es, meinem Alter entsprechend, geruhsam an.
Auf halber Höhe befindet sich ein so genannter Earthcache. Eine geologische Besonderheit, die einem beschrieben wird, und zu der man Fragen beantworten muss, die, wenn sie richtig sind, zum loggen des Caches berechtigen. Ich liebe diese Cache-Art.
Für "Insider", hier ist der Code dieses Caches: https://coord.info/GCBH5N9. Er heißt "Farben der Vergangenheit" und erklärt unter anderem am Beispiel dieses so genannten Aufschlusses, warum roter Sandstein braun-rot gefärbt ist. Na, wer weiß es? Ich. Jetzt. Das Chemische Element, das für die rötlich-braune Färbung sorgt, ist Eisen, Eisenoxyd und da vor allem Hämatit. Cachen bildet.

Und er fragt, warum das den Sandstein umgebende härtere Gestein, durchlöchert ist.

Für mich sehr spannend. Die Löcher entstehen übrigens durch Meerestiere, die sich in dem tonartigen Gestein einen Weg gesucht haben, bevor dieses hart wurde.
Ja, um zum Schloss zu kommen, musste ich nach dem Earthcache den Rest der 20 %-Steigung noch hinter mich bringen. Ein geflügeltes Wort in meiner Familie lautet:
"Die Hälfte hammer!".
Das sagte mein leider vor wenigen Tagen verstorbener Freund und Schwager bei unseren Bergtouren zu meinem jüngeren Sohn, wenn der klagend fragte: "Wann sind wir da?".
Und die Hälfte hatte ich bei dem Aufschluss gerade hinter mich gebracht.
Der Aufstieg lohnte sich auf jeden Fall.
Das war mein Bericht von dem reizenden Örtchen Sulzbürg. Ich bin immer wieder begeistert, wohin mich mein Hobby führt. Ohne Geocaching wäre ich wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen, nach Sulzbürg zu fahren.
Jetzt konnte ich mich beruhigt auf den Heimweg machen. Der Tacho des Büsles wird ca. 180 km mehr anzeigen. Ich fahre sehr gerne auch weiter weg. Aber diese kleine Reise hat mir wieder bestätigt:
"Warum in die Ferne schweifen,
sieh das Gute liegt so nah".
Eins bin ich noch schuldig. Was war jetzt mit diesem Gewitter? Von Sulzbürg aus hatte ich noch ca. 20 km bis zur A 3 zu fahren. Auf der fuhr ich noch ca. 15 km bis Altdorf. Bis ca. 5 km vor Altdorf hatte ich noch wunderbares Wetter, wie in den vorausgegangenen zwei Tagen.
Dann zeigte sich vor im eine wirklich bedrohliche, tief schwarze Wolkenwand, der ich mich von Kilometer zu Kilometer näherte. An der Ausfahrt Altdorf schüttelte mich der erste Windstoß mit dem Büsle durch. Dann fing es an, kräftig zu regnen. Als ich auf halbem Weg nach Leinbur, die A 6 unterquerte wurden Wind und Regen noch deutlich stärker.
Ca. 4 km musste ich durch einen Wald fahren. Ich hatte echt Sorge, dass mich ein herabstürzender Ast treffen könnte. Anhalten wollte ich deshalb nicht. Es war wie in einer Autowaschanlage. Am Ende des Waldes kommt der kleine Teilort von Leinburg, Winn. Wie von einer Zauberhand geführt, verließ ich die Autowaschanlage, und der Wind ließ deutlich nach. Die letzten zwei Kilometer bis zu meiner Wohnung war fast wieder normales Wetter. Als ich dort ankam, war Julian, mein Vermieter, dabei, herab gerissene Ästchen von der Straße zu räumen. Das Unwetter war gerade über Leinburg hinweg gegangen, und hat mich voll erwischt. Glücklicherweise ohne bei mir Schäden anzurichten.